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Erich Grisar

Geboren am 11. September 1898 in Dortmund als Sohn eines Fabrikarbeiters. Nach dem Besuch der Volksschule und dem Abschluß seiner Lehrzeit arbeitete er in Dortmund als technischer Vorzeichner in Maschinenfabriken, Hüttenwerken und im Brückenbau. Im Ersten Weltkrieg verwundet. Der Kriegsausgang erweckte in ihm den revolutionären "Arbeiterdichter". (Kutzbach 1950) Seit 1922 lebte er als freier Schriftsteller in Butzbach/Hessen, Leipzig und wieder Dortmund, wo er seinem erlernten Beruf nachging. Während der NS-Zeit stand er unter Publikationsverbot. Er unterhielt während dieser Zeit Kontakte zu emigrierten Schriftstellern. Tätigkeit als Vorzeichner in einer Dortmunder Fabrik. Nach Kriegsende arbeitete er als Bibliothekar der Dortmunder Stadtbücherei. Er starb am 30. November 1955 in Dortmund (Quelle: LWL). Veröffentlichungen (kleine Auswahl): "Morgenrot". Gedichte. Seidel’sche Verlagsbuchhandlung, Sulzbach 1920. "Das Herz der Erde hämmert". Skizzen und Gedichte. Verlag für proletarische Freidenker, Leipzig 1923. "Gesänge des Lebens". Gedichte. Thüringer Verlagsanstalt, Jena 1924. "Das atmende All". Gedichte. Roter Türmer, Leipzig 1925. "Schreie in der Nacht". Ein Buch der Besinnung. Verlag für proletarische Freidenker, Leipzig 1925. "Bruder, die Sirenen schrein". Gedichte für meine Klasse. Arche, Hirsau 1931. "Mit Kamera und Schreibmaschine durch Europa". Bilder und Berichte. Der Bücherkreis, Berlin 1932. "Siebzehn Brückenbauer, ein paar Schuh". Ein Werkroman. Köhler, Hamburg 1937. "Monteur Klinkhammer und andere Brückenbauergeschichten". Gauverlag, Bayreuth 1943. "Kindheit im Kohlenpott". Volk und Zeit, Karlsruhe 1946. "Die Holtmeiers". Roman. Köhler, Hamburg 1946. "Zwischen den Zeiten". Ausgewählte Gedichte. Köhler, Hamburg 1946. "Die Tat des Hilko Boßmann". Erzählung. Bollwerk, Offenbach 1947. "Die Hochzeit in der Kesselschmiede". Roman. Felsenburg, Marburg 1949. "Der lachende Reinoldus". Alte und neue Anekdoten aus einer alten Hanse- und jungen Industriestadt. Wulff, Dortmund 1953. "Erich Grisar Lesebuch". Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Walter Gödden. Aisthesis, Bielefeld 2012. "Ausgewählte Werke". Hrsg. von Fiona Dummann, Walter Gödden, Kerstin Mertenskötter. Aisthesis, Bielefeld 2014. "Cäsar 9". Roman. Hrsg. von Arnold Maxwill. Aisthesis, Bielefeld 2015. "Mit Kamera und Schreibmaschine durch Europa". Bilder und Berichte von Erich Grisar. Hrsg. von Andrea Zupancic. Klartext, Essen 2016. "Ruhrstadt". Porträt einer Stadt. Roman. Hrsg. von Arnold Maxwill. Aisthesis, Bielefeld 2016.

"Erich Grisar. Ruhrgebietsfotografien 1928 - 1933".
Prof. Heinrich Theodor Grütter, Hanneliese Palm und Stefanie Grebe stellen den Schriftsteller und Fotografen Erich Grisar vor. Aufnahmeort: Ruhr Museum, 11. März 2016.

Hans Tombrock

1895 in Dortmund-Benninghofen geboren. Jüngstes von 16 Geschwistern, Lehre als Anstreicher abgebrochen, Arbeit auf einer Zeche. Als Pferdejunge, Schlepper und Gehilfe des Reparaturhauers fuhr er mit 16 Jahren in die Grube ein. Hier fing Tombrock an zu zeichnen. Seiner Arbeit in der Zeche entflieht Tombrock mehrfach. Er geht nach Hamburg, Bremerhaven und Antwerpen und wird Schiffsjunge. Mit 18 Jahren heuert er auf einem Lloyddampfer an und fährt nach Amerika. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet sich Tombrock freiwillig zur Marine. Er kommt zum Marinekorps in Flandern. 1918 desertiert er und wird Teilnehmer der Novemberrevolution in Kiel. Am Ende des Krieges tritt er der Kommunistischen Partei bei. Arbeit findet er im Hörder Hüttenwerk Phönix. Seine Arbeit verliert er jedoch aufgrund politischer Reden, die als aufwieglerisch gelten. Während der Unruhen 1919 wird er als Spartakistenführer verhaftet. 1920 nimmt er an den bewaffneten Kämpfen gegen den Kapp-Putsch teil und marschiert mit der Roten Ruhrarmee in Dortmund ein. Anschließend wird er zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Diese soll er verkürzt haben, indem er sich als Spitzel der Reichswehr zur Verfügung gestellt haben soll. Jedoch relativiert Podehl diese Aussage in seinem Buch Hans Tombrock, Der Maler aus Hörde, in dem er auf weitere Widersprüche der damaligen Medien und der Aussagen weiterer KPD-Mitglieder dieser Zeit hinweist. 1924 wird Tombrock aus der Haft entlassen. Er beginnt sein Vagabundenleben und er wandert durch Deutschland, Österreich und Jugoslawien. Geld verdient er mit seinen Zeichnungen, die er für ein Butterbrot, einen Teller Suppe oder Pfennige verkauft.
Die Objekte seiner Kunst lernt er auf der Straße kennen: Penner, Huren, Krüppel, Säufer, Landstreicher und andere Tippelbrüder. 1928 trifft er Gregor Gog, den Begründer der Bruderschaft der Vagabunden. Gog hat einen großen Einfluss auf Tombrock. Er gibt ihm neue schöpferische und politische Impulse. Nun wollte er das Leiden und das Schicksal der Armen und Unterdrückten in seiner Kunst darstellen. Auch seine erste größere Arbeit, die „Vagabundenmappe“ veröffentlicht Tombrock 1928. In der Zeit von 1929 bis 1931 entstehen auch die ersten „Eulenspiegel-Bilder“. 1930 erwirbt die Kunsthalle Mannheim seine aquarellierte Kreidezeichnung „Eulenspiegel III“ im Entstehungsjahr. Auf seinem Wanderschaft wird Tombrock zeitweise von dem Schriftsteller Paul Polte begleitet. Tombrock wohnt zu dieser Zeit mit Frau und Sohn in Dortmund. 1933 flieht Tombrock vor den Nazis in die Schweiz. 1934 reist er auf die Kanarischen Inseln um ein Lungenleiden auszukurieren. Über Österreich, die Tschechoslowakei, Polen, Lettland und Estland flieht er mit seiner Familie nach Schweden. In Schweden lässt er sich 1937 mit Frau und Kind in der Nähe Stockholms nieder. Von den Nazis wird ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.
1939 lernt er Bertolt Brecht auf einer antifaschistischen Diskussionsveranstaltung kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft und eine fruchtbare Zusammenarbeit, die ihren Höhepunkt in der Illustration von Brechts „Das Leben des Galilei“ findet. 1941 wandert Brecht in die USA aus, Tombrock wird die Ausreise in die USA verweigert. Am 10. Oktober 1946 kehrt Tombrock mit seiner Ehefrau Tina und der gemeinsamen Tochter Solveig nach Dortmund zurück. Seine erste Anlaufstelle in Dortmund-Aplerbeck sind seine früheren Weggenossen wie Hans und Anton Kalt. Die Stockholmer Zusammenarbeit mit Brecht spiegelt sich in Peter Weiss' Roman Die Ästhetik des Widerstands, wo Brecht und Tombrock als Figuren der Handlung auftreten. 1947 gründet er seine „Schule für Bildende und Angewandte Kunst Dortmund“. 1949 geht Tombrock in die DDR und lehrt an der staatlichen Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar. 1952 bis 1953 lehrt er an der „Hochschule für angewandte Kunst“ in Berlin-Weißensee. Auch Brecht lebt dort seit 1949. Beide setzen ihre Zusammenarbeit fort. 1953 verlässt Tombrock die DDR, deren ideologische Enge er nicht mehr aushält und geht mit einem Großteil seiner Schüler in den Westen. Er lebt und arbeitet als freier Künstler in Dortmund und Stuttgart, hält sich auch mehrfach für längere Zeit in Marokko auf, um zu malen und stirbt am 18. August 1966 in Stuttgart (aus Wikipedia).
Was Brecht und Tombrock zueinander hinzog, "liegt großenteils im Bereich der Spekulation. Brecht fühlte sich womöglich von Tombrocks „Freibeutertum“ angesprochen, nannte ihn seinen „lebensgefährlichen Freund“. „Auch der Gedanke, hier einen echten Proletarier vor sich zu haben, eine Art „Exerzierstück“ für das Voranbringen der sozialen Revolution, wird seinen Reiz ausgeübt haben“, vermutet Johanna-Elisabeth Palm, Leiterin des Fritz-Hüser-Instituts", (Zitat LWL-Industriemuseum Zeche Zollern). Von seinem bewegten Leben erzählte die Ausstellung im Bürgersaal in Dortmund-Hörde, die am 13. November 2011 eröffnet wurde.

Arbeiterliteratur im Ruhrgebiet -

"Das Image der Literatur im Ruhrgebiet wurde über lange Zeit hinweg von der Arbeiterliteratur geprägt: Von der frühen Bergarbeiterliteratur Heinrich Kämpchens und Ludwig Kessings über die Ruhrland-Gemeinschaft und die Werkleute von Haus Nyland bis zur Gruppe 61 und zum Werkkreis Literatur der Arbeitswelt reichen Tradition und Spektrum dieser engagierten Form der Literatur. Mit dem Wandel des Ruhrgebiets von einer durch Bergbau und Schwerindustrie geprägten Region hin zu einer Region, in der Dienstleistungsbetriebe die wirtschaftliche Zukunft bedeuten sollen, ist im Ruhrgebiet - wie freilich auch anderenorts - die Arbeiterliteratur zu einer Randerscheinung geworden. Und dies betrifft die aktuelle Produktion ebenso wie das literaturhistorische Bewusstsein, wie nicht zuletzt der Veranstaltungskalender der RUHR2010 belegt. Gleichwohl gibt es Autorinnen und Autoren, die sich in der Tradition der Arbeiterliteratur sehen oder ihr entstammen. Mit ihren Texten geben sie einen wichtigen Beitrag zur Literatur im Ruhrgebiet", (Dr. Jürgen Wittkowski, Ruhr-Universität Bochum).
Am 24. November 2011 lasen Rainer W. Campmann, Ilse Kibgis und Karl Kühn im Studio B der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Eingeladen hatten das Fritz-Hüser-Institut und die Ruhr-Universität Bochum.

Die Arbeit in der Literatur: von „schwerer Arbeit“ zu „Schöner Arbeiten“

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nimmt die Literatur sich der Themen der Arbeit und dem Arbeitsalltag an: bei der Heroisierung der Arbeit, zur Selbstreferenz der Arbeitenden, als Aufruf zur Solidarität oder als Propaganda gegen unwürdige Arbeitsbedingungen. Dabei wird der „Blick von außen“ ergänzt durch sich entwickelnde Literaturszenen aus der Arbeiterschaft selbst mit höchst unterschiedlichem literarischem Anspruch. Nach dem Zweiten Weltkrieg muss die Arbeitswelt von der Literatur erst (wieder-)entdeckt werden. In der Gegenwart steht „Arbeit“ längst für viel mehr als nur Industrie- und Büroarbeit. Mit konkreten Beispielen von Heinrich Heine bis Willy Bredel, von Max von der Grün bis Kristof Magnusson spürt der Vortrag diesen Wandlungen nach.
Hanneliese Palm ist Leiterin des Fritz-Hüser-Instituts der Stadt Dortmund. Das Fritz-Hüser-Institut ist das einzige wissenschaftliche Institut in Europa, das Quellen und Dokumente zur Literatur- und Kulturgeschichte der Arbeitswelt sammelt, erforscht und darstellt. Es verfügt über eine der größten Sammlungen zur Arbeiterkulturbewegung mit Bibliothek und Archiv aus der Zeit von 1848 bis heute mit Monografien und z. T. sehr seltenen Zeitschriften, Nachlässen, Kunst- und Mediensammlungen, insbesondere Grafiken und Fotos.
www.fhi.dortmund.de
www.stadt.gelsenkirchen.de/de/Kultur/Die_Flora