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Liselotte Rauner

1920 in Bernburg/Saale als Liselotte Clemens geboren. Nach Besuch einer Real- und Handelsschule machte sie eine kaufmännische Lehre, absolvierte eine Gesangs- und Schauspielausbildung und sammelte Bühnenerfahrung. Nach der Heirat mit Walter Rauner zog das Ehepaar 1948 nach Wattenscheid. Ab 1967 war sie Mitglied der Literarischen Werkstatt Gelsenkirchen und gehörte zu den Mitbegründern des Werkkreises "Literatur der Arbeitswelt". 2005 starb sie in Bochum. Veröffentlichungen: Gedichte, Kurzgeschichten, Epigramme und Chansons: "Der Wechsel ist fällig", "Wenn der Volksmund mündig wird", "Kein Grund zur Sorge", "Alles in Bewegung". Schallplatte: "Lebenslauf" (Duo Zündholz - Kalle Gajewsky/Norbert Labatzki). 1986 erhielt sie den Literaturpreis Ruhrgebiet.

Liselotte Rauner liest
Aufnahme aus dem Jahr 1985

Literarische Werkstatt Gelsenkirchen

Im Ruhrgebiet haben sich ab den 60er Jahren mehrere Arbeiter:innen zusammengeschlossen, um Schreibwerkstätten zu gründen. Sie wollten nicht nur Gedichten oder Kurzgeschichten schreiben, sondern auch politisch Zeichen setzen. Am innovativsten hat sich die Literarische Werkstatt Gelsenkirchen gezeigt, deren Arbeit bis heute nachwirkt (Quelle: WDR 5, Neugier genügt). Klaus Peter Wolf über die Literarische Werkstatt Gelsenkirchen: Die Literarische Werkstatt Gelsenkirchen Josef Büscher war sehr wichtig für die Stadt Gelsenkirchen und seiner Schreibschule verdanken viele junge Autoren eine Menge. Zu den Gästen der LWG, die uns kollegial verbunden waren, gehörten auch Josef Reding, (lange Zeit Vorsitzender des Schriftstellerverbandes NRW), Volker W. Degener (sein Nachfolger) und Max von der Grün. Als der verzweifelte Max von der Grün mit seinem Roman nicht weiterkam, fuhr er zu Josef Büscher, der sich wie immer mit Engelsgeduld, bei kreativen Problemen oder Schreibblokaden endlos Zeit für seine Schriftstellerfreunde nahm. Ich war ebenfalls mit Schreibproblemen im Hause Büscher. Natürlich ließ ich dem großen, von mir bewunderten Max von der Grün den Vorrang. Tante Waltraut (so wurde sie von vielen genannt) kochte mir einen Tee und tröstete mich über die Wartezeit hinweg. Ich will nicht behaupten, dass Josef Max die entscheidenden Stellen diktiert hat, aber es hörte sich für mich fast so an. Das klingt heute komisch, aber so war das damals, man diskutierte die Texte miteinander vor der Veröffentlichung heftig. Dadurch veränderten sich Texte. Meist wurden sie besser. Die LWG war in dem Sinne wirklich eine Werkstatt in der der Werkstattgedanke auch hoch gehalten wurde. Meine erste Kurzgeschichte wurde an einem Abend in einem fast chirurgischen Eingriff um zwei Seiten gekürzt. Das tat der Geschichte gut. Beteiligt an den Kürzungen waren Josef Büscher und Detlef Marwig, der praktisch jedes Adjektiv aus dem Text warf und Sätze die mehr als fünf Worte hatten, waren seiner Meinung nach sowieso zu lang. Er liebte die literarische Verknappung. Nicht alle Autoren hielten es aus, ihre Texte so zu diskutieren. Einige schreckte das auch ab. Sie kamen nie wieder, fühlten sich angegriffen und fertiggemacht. Für mich war es eine harte aber sehr, sehr gute Schule. Oft wenn ich mit einem Drehbuch sieben oder acht Leuten gegenübersaß, die daran herumnörgelten, (dem Produzenten war es zu teuer, dem einen Redakteur zu links, dem anderen zu unpolitisch, dem Regisseur zu verquatscht, dem Hauptdarsteller fehlten die Großaufnahmen), dachte ich an die Werkstattgespräche zurück und begann mich durchzusetzen. Ich hatte ja das große Glück in der Aufbruchstimmung der Literarischen Werkstatt Gelsenkirchen mit dabei sein zu dürfen. Da waren Lesungen große gesellschaftliche Ereignisse. Meist reichten die Stühle nicht. Die Zuhörer waren eine Stunde vor Beginn da, um gute Plätze zu bekommen. Es wurde heftig diskutiert. Da rannte auch schon mal ein so kritisierter Autor heulend raus, oder zerriss seine Texte. Da wurden Fragen nach der politischen Relevanz von poetischen Texten gestellt und so mancher junge Autor fand sich nicht im Elfenbeinturm wieder, sondern auf dem „heißen Stuhl“. Hugo Ernst Käufer, der Lyriker und Bibliothekar, war das Herz des Ganzen. Er ließ die Szene um sich rotieren. Josef Büscher leitete die „Schreibschule“, die zur LWG gehörte, und warf jeden raus, der glaubte, hier könne man seine Deutschnoten verbessern. Nachhilfestunden waren das nicht! Zumindest nicht für schlechte Schüler. Später übernahm Monika Kummerhoff die Schreibschule für eine Weile, und hat dort wahrlich gute Arbeit geleistet. Aber ohne das Kraftzentrum eines Hugo Ernst Käufer war sie chancenlos. Die Literarische Szene in Gelsenkirchen zog auch viele Künstler an, die nicht in Gelsenkirchen wohnten. Frank Göhre – der später neben seinen Krimis – auch viele Tatorte schrieb, war oft dabei, der Holzschneider Horst Dieter Gölzenleuchter, ja sogar HAP Grieshaber unterstützte die Arbeit von Hugo Ernst mit Malerbriefen von der schwäbischen Alp. Manche Bücher konnten nur erscheinen, weil Grieshaber oder Gölzenleuchter Originalarbeiten für Vorzugsausgaben stifteten. Die lagen dann vom Preis so hoch, dass dadurch der ganze Druck finanziert wurde. Es war ein Zusammenhalt, der ganz viel mit Freundschaften untereinander zu tun hatte. Man las sich vor, man half sich gegenseitig. Es gab Visionen literarischer und politischer Natur, über die heftig gestritten wurden. So einfach wiederholen lässt sich das nicht, auch nicht mit einem Büro und viel Geld – obwohl das helfen könnte (Quelle: homepage Klaus Peter Wolf).

Im Dienst der "kleinen Leute" – Gelsenkirchener Arbeiterliteratur. Spurensuche mit Simon Schomäcker
WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 02.03.2023 08:20 Min. Verfügbar bis 29.02.2024

Hugo Ernst Käufer

1927 in Witten/Ruhr geboren, am 09. Mai 2014 in Legden gestorben. 1945 bis 1953 Verwaltungsangestellter, bibliothekarische Ausbildung ab 1954 in Köln, ab 1957 Referent an der Stadtbücherei Bochum, ab 1966 als Hauptlektor und schließlich bis 1987 als Direktor der Stadbücherei Gelsenkirchen. Mitbegründer der "Literarischen Werkstatt Gelsenkirchen". Diese Gruppe war Vorbild für die bundesweite Werkstattbewegung, aus der 1971 der "Werkkreis Literatur der Arbeitswelt" hervorging. Hugo E. Käufer lebte viele Jahrzehnte in Bochum. Nach einer Erkrankung zog er in eine Senioreneinrichtung in Legen. Er war Mitglied im VS, in der Europäischen Autorenvereinigung "Die Kogge" (Ehrenvorsitzender) und gehörte seit 1974 dem PEN-Zentrum an. Er war Vorstandsvorsitzender der Liselotte-und-Walter-Rauner-Stiftung und als Herausgeber und Kritiker hoch geschätzt. Hugo Ernst Käufer schrieb Essays, Romane, Erzählungen, Gedichte und Kritiken. Auszeichnungen: u.a. Bundesverdienstkreuz, Literaturpreis Ruhr, Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Veröffentlichungen (kleine Auswahl): "Poems", "Wie kannst du ruhig schlafen", "Die Botschaft des Kindes", "Ohne Erinnerung hat die Zeit kein Gesicht", "Das Haus der Kindheit", "Sieben Schritte Leben", "Kartoffkrautfeuer", "Wer nicht hören will, muss sehen. HAP Grieshaber" (Textcollage, Erinnerungen, Meditationen, Gedichte). Der gesamte audio-visuellen Vorlass wurde durch Karl-Heinz Gajewsky digitalisiert.

  • 0:11:24 08. Juli 2008 "Wortwörtlich"
    Hugo Ernst Käufer liest die Gedichtzyklen "Wortwörtlich" (Edition Wort und Bild) und "Die einfachen und schwierigen Dinge"
    (20. Mai 2008, Stadtarchiv Bochum).

Hugo Ernst Käufer liest: "Herbstelegie"
Aufnahme vom 17.12.2013. Aufnahmeort: Legden.

Hugo Ernst Käufer - Interview
Hugo Ernst Käufer gibt Auskunft. Aufnahme vom 17.12.2013. Aufnahmeort: Legden.

Wer war Eduard Claudius?

1911 als Eduard Schmidt in Buer geboren, gestorben 1976 in Potsdam. 1925 bis 1927 Lehre als Maurer und Arbeit in diesem Beruf. Ab 1927 engagierte er sich in der Gewerkschaftsarbeit. Von 1929 bis 1932 gelangte er auf Wanderschaft nach Österreich, in die Schweiz, nach Italien, Frankreich und Spanien. 1932 wurde er Mitglied der KPD. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde er 1933 verhaftet; 1934 emigrierte er in die Schweiz, wo er im antifaschistischen Widerstand aktiv war. 1936 wurde er von den Schweizer Behörden verhaftet; der drohenden Auslieferung an das Deutsche Reich entging er durch die Flucht nach Spanien. Claudius nahm als Mitglied der Internationalen Brigaden auf republikanischer Seite am Spanischen Bürgerkrieg teil; nach einer Verwundung wirkte er als Kultur- und Kriegskommissar. Gegen Ende des Bürgerkriegs wurde er 1938 in Frankreich interniert; von dort gelang ihm 1939 die Flucht in die Schweiz. Da er sich illegal im Lande aufhielt, wurde er erneut verhaftet und musste die Jahre von 1939 bis 1945 als Internierter in verschiedenen Schweizer Arbeitslagern verbringen. Die erneut drohende Abschiebung ins Deutsche Reich wurde durch Interventionen der Autoren Hermann Hesse und Albert Ehrenstein verhindert. Anfang 1945 schloss sich Claudius der italienischen Partisanenbrigade „Garibaldi“ an. Im Juli 1945 kehrte er nach Deutschland zurück. Von 1945 bis 1947 war er Pressechef des bayerischen Ministeriums für Entnazifizierung; anschließend kehrte er für kurze Zeit ins Ruhrgebiet zurück. 1948 übersiedelte er in die Sowjetische Besatzungszone und ließ sich in Potsdam nieder. In der DDR wirkte Claudius bis 1956 als freier Schriftsteller. Ab 1956 war er Angehöriger des Diplomatischen Dienstes der DDR. Von 1956 bis 1959 hatte er die Funktion eines Generalkonsuls in Syrien inne, und von 1959 bis 1961 war er Botschafter der DDR in Nordvietnam.
Bekannt wurde er durch den autobiografisch geprägten Roman über den Spanischen Bürgerkrieg: "Grüne Oliven und nackte Berge". Eduard Claudius war Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR und von 1955 bis 1957 dessen Erster Sekretär. Seit 1965 gehörte er der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin an, von 1967 bis 1969 als ihr Vizepräsident. Von 1963 bis 1967 war er Mitglied des Bezirkstages für den Bezirk Potsdam. Er erhielt u.a. folgende Auszeichnungen: 1951 einen Nationalpreis 3. Klasse, 1954 den Theodor-Fontane-Preis des Bezirkes Potsdam, 1955 den Literaturpreis des FDGB und den Vaterländischen Verdienstorden in Silber sowie 1975 den Vaterländischen Verdienstorden in Gold. (Quelle: Wikipedia). Veröffentlichungen (kleine Auswahl): Jugend im Umbruch, Basel 1936 (unter dem Namen Edy Brendt), "Grüne Oliven und nackte Berge", Zürich 1945, "Salz der Erde", Berlin 1948, "Menschen an unserer Seite", Berlin 1951, "Seemannsgarn neu gesponnen", Berlin 1954. "Als die Fische die Sterne schluckten", Berlin 1961, "Aus den nahen und den fernen Städten", Berlin 1964, "Ruhelose Jahre", Halle (Saale) 1968, "Geschichte einer Liebe", Halle [u.a.] 1982.